Am 04.08.2021 war es endlich soweit & wir konnten endlich zu unserer Spitzrettung in Ungarn fahren – Corona hatte uns über 1,5 Jahre einen Strich durch die Rechnung gemacht!

Am Mittwoch Abend brachten wir die ersten Spenden zur Spitzrettung. Alles, was ihr uns entweder über die Amazon Wunschliste oder auch privat zusendet, kommt auch wirklich beim Team vor Ort an und wird verwendet.

Donnerstag brachten wir dann einige Hunde zum Tierarzt. Jede Woche steht mindestens ein Besuch bei unserem Tierarzt an: Neuzugänge müssen kastriert & gechipt werden, einige benötigen Impfungen oder andere Behandlungen. Auf unseren Tierarzt ist dabei immer Verlass. Er engagiert sich selbst für den Tierschutz und arbeitet schon Jahre mit unserer Rettungsstation zusammen. Wir sind sehr dankbar, denn er nimmt sich auch am Wochenende und in seiner Freizeit Zeit unsere Notfelle zu versorgen. Noch ein wenig benommen kamen unsere Schützlinge dann am Nachmittag wieder in der Spitzrettung an und konnten ihren Rausch erstmal in Ruhe ausschlafen. Sie werden dann die erste Zeit beobachtet – die Hunde, die an ihrer Wunde lecken wollen bekommen die von euch gespendeten Kragen und Bodies angezogen, damit sich auch nichts entzündet. Die Wunden werden dann täglich von unserem Team überprüft, um schlimmen Entzündungen vorzubeugen. Zur Wundversorgung nutzt das Team zudem auch die gespendeten Erste-Hilfe-Sets, die uns vor einigen Monaten gespendet wurden, und das Wundspray, welches eine Zeit lang auf unserer Wunschliste stand (davon haben wir noch einen guten Vorrat vor Ort – Danke an alle Spender!!).

Video: Ankunft nach dem Tierarzt

Am Freitag machten wir uns dann auf den Weg ins Shelter nach Püspökladány. Ein paar Mal im Monat erhält unsere Spitzrettung Schützlinge von dort. Die Region nahe der rumänischen Grenze ist besonders bekannt für viele illegale Vermehrer. Wer sich noch an die Razzia von vor etwa einem Jahr erinnert: Karcag, wo die 40 Hunde eines illegalen Vermehrers herstammten die wir im September 2020 aufnahmen, ist ein Nachbarort von Püspökladány. Was wir dort sahen erschütterte uns zutiefst. Rassehunde noch und nöcher, Hunde in der Trendfarbe merle, kranke Tiere, Missbildungen, Verhaltensauffälligkeiten und spürbare Verzweiflung hinter den Gitterstäben. Lasst die Bilder & Videos bitte auf euch wirken. Daran sind WIR MENSCHEN Schuld! Menschen, die bestimmte, teils eh schon kranke Rassen in besonderen Farben zu besonders günstigen, gar Billigpreisen, verlangen. Diese Tiere leiden. In diesem Shelter hocken die aussortierten, ungewollten, ausgedienten Hunde, welche die Vermehrer für ihre Geschäfte nicht mehr gebrauchen können. In jedem Land gibt es verschiedene Schwerpunkte der Tierschutzarbeit. In Rumänien sind es die Straßenhunde, die täglich die Shelter füllen. In Ungarn sind es zumeist die illegalen Vermehrer, denen dank unzureichender politischer Entscheidungen und ungenügender Aufklärung der Bevölkerung, das Handwerk nur bedingt gelegt werden kann. Viele unserer Spitze und Mischlinge stammen aus Vermehrerhöllen, wurden in Sheltern oder auf der Straße entsorgt oder dank einer Razzia gerettet. Was uns überraschte war die unglaubliche Freundlichkeit der meisten Hunde. Wir wurden aufgeregt begrüßt und abgeschleckt – in ihren Augen konnte man deutlich den Wunsch erkennen: „Holt mich hier raus!“

Doch leider können wir nicht alle retten, auch wenn wir das noch so gern wöllten. Kein Tier verdient es so zu „leben“. Die Hunde dort bekommen etwas Billigfutter, aber ernähren sich hauptsächlich von Brot oder Essensresten, wie etwa Pizza. Dadurch sind bei vielen Tierschutzhunden die Zähne bereits im jungen Alter sehr schlecht. Der Gesundheitszustand einiger Hunde lies auch zu wünschen übrig. Abgesehen von Missbildungen, die unter anderem durch Inzucht entstehen, sahen wir auch Geschwüre, offene Wunden und Entzündungen, sowie gebrochene Beine. Der Gestank war fürchterlich, die Hunde mehr als gestresst und einige auch verhaltensauffällig und verängstigt. Solche Bilder zu verarbeiten ist nicht einfach, aber es muss gezeigt werden. Dieses Shelter ist eines der besseren in Ungarn, nur deshalb durften wir dort filmen! Im Vergleich dazu sind deutsche Tierheime Wellnessoasen, auch wenn das natürlich nicht bedeutet, dass es den Hunden seelisch nicht auch dort schlecht geht. Die Versorgung ist allerdings nicht zu vergleichen! Hier noch einmal der Appell: wenn ihr ein Tier in eure Familie aufnehmen wollt schaut bitte zuerst im Tierschutz! Es gibt so viele Hunde, Katzen und andere Tiere, die ein Zuhause suchen. Auch Rassetiere, wie ihr sehen könnt!

Video vom Shelter: Püskökladány Shelter

Nach unserer Besichtigung bereiteten wir die 4 kleinen Spitze, wegen denen wir bekommen waren, für den Rücktransport in die Spitzrettung vor. Unser Teammitglied rief uns dann zu einem Zwinger, in den wir noch nicht geschaut hatten. Sie zeigte uns eine wunderschöne, große Hündin, die vermutlich eine Mischung aus Spitz & Chowchow war. Sie war in einem miserablen Allgemeinzustand, zeigte sich aber freundlich-zurückhaltend. Wir entschieden sie auch mitzunehmen. Nach einer Stunde Aufenthalt machten wir uns dann mit 5 Hunden auf den Weg zurück nach Budapest.

Wieder in Budapest angekommen machten wir uns direkt an die Arbeit und badeten die ersten Hunde. Unser Team vor Ort arbeitet sehr sorgsam und separiert Neuankömmlinge vom bestehenden Rudel, um niemanden mit irgendetwas anzustecken. Alle Hunde haben, wenn sie ankommen, Flöhe, Zecken & andere Parasiten, von denen sie befreit werden. Erst nachdem die Hunde sauber und durchgecheckt sind dürfen sie zu den anderen. Klickt hier, um einen Video Vorher-Nachher Vergleich von unserer großen, weißen Hündin aus dem Shelter zu sehen. Welpen werden prinzipiell so lange separiert, bis sie alle nötigen Impfungen haben, da sie besonders anfällig und gefährdet sind.

 

Am Samstag beschäftigten wir uns intensiv mit allen Hunden. Uns ist eine nachhaltige Vermittlung sehr wichtig – nur mit einer konkreten Einschätzung der Hunde können wir die richtigen Familien für sie auswählen. Mit unserem Team vor Ort klappt dieser Austausch wirklich gut. Vor Ort können wir sehen, wie sich die Hunde im Rudel verhalten, wie sie gezielt auf Rüden/Hündinnen reagieren und auch ob sie große Hunde und Katzen mögen. Natürlich ist es hier wichtig zu betonen, dass diese Beobachtungen immer auf Grundlage der Gegebenheiten vor Ort beschrieben werden. Wie sich die Hunde im neuen Zuhause verhalten kann durchaus auch anders sein.

An den folgenden Tagen haben wir dann das Team bei ihren täglichen Aufgaben unterstützt: Spendenlager aufräumen, Hunde baden, sauber machen, Hunde bespaßen & füttern. Unser Team vor Ort ist recht klein und erledigt alle Dinge immer so schnell es geht. Dazu sei gesagt, das 3 von 4 Personen auch noch vollzeitberufstätig sind und nur eine Person sich 24/7 um die Versorgung der Hunde kümmern kann; der Rest hilft so gut es geht vor allem in Sachen social media und Kommunikation mit uns in Deutschland. Voluntäre können wir in der Rettungsstation leider keine empfangen, da es nur eine kleine Station ist und die Kommunikation schwierig ist, da die Person die immer vor Ort ist, nur ungarisch spricht. Für uns haben sich die Teammitglieder, die englisch sprechen, extra frei genommen – das geht natürlich nicht ständig.

Video: Welpen Badetag

Da wir noch ein paar Dinge vor Ort kaufen wollten haben wir uns in den Läden umgesehen und Preise verglichen. Ungarn hat EU-weit die höchsten Steuern (27%), was sich in allen Produkten widerspiegelt. Wir haben die Preisvergleiche hier mal an ein paar Beispielen festgehalten:

Deshalb fragen wir euch immer nach Sachspenden & sind überglücklich, wenn ihr Dinge von unserer Amazon Wunschliste bestellt oder uns Dinge zusendet! Was wir immer benötigen sind Trockenfutter, Welpenunterlagen, Shampoo, Reinigungsmittel und gelegentlich Zubehör, wie Welpenausläufe oder Transportboxen.

 

Am 14.08. war unser letzter Tag in Ungarn. Wir haben beim Transport mitgeholfen. All unsere Schützlinge sind bei der Ausreise gebadet und haben nochmal einen Schutz gegen Parasiten erhalten. Das Transportunternehmen, mit dem wir zusammenarbeiten, arbeitet hochprofessionell. Die Fahrzeuge sind alle neu und modern mit fest eingebauten Boxen, Kamera, Klimaanlage/Heizung und GPS-Verfolgung ausgestattet. Die Fahrer sind geschult, geprüft und ausgebildet, sodass sie in jeglicher Situation angemessen reagieren können. Die Hunde haben jederzeit Zugang zu Futter & Wasser und die Unterlagen werden wenn nötig bei den Stopps gewechselt. Wir haben es einmal für euch abgefilmt, damit ihr euch ein besseres Bild machen könnt.

Video: Ausreise

Sollte Corona es zulassen wollen wir unsere Spitzrettung nun häufiger besuchen, um euch einen kleinen Einblick zu verschaffen. Wir bedanken uns an alle Spender & Unterstützer, die diese wichtige Arbeit in Ungarn möglich machen. Wenn ihr auch helfen & spenden wollt findet ihr hier alle Infos – oder ihr sendet uns eine Mail! Auch danke an all unsere tollen Adoptanten & Pflegestellen, die unseren Schützlingen die Chance auf ein tolles Leben geben. Solltet ihr Fragen haben könnt ihr uns jederzeit schreiben unter team@spitz-und-pawtners.de oder ihr füllt ein Kontaktformular aus!

 

 

 

 

Susann von eurem Spitz&Pawtners Team