Was füttere ich meinen neuen Hund und womit fange ich am besten an? Diese Frage stellen sich viele Adoptanten & Pflegestellen, bevor ihr neuer Hund bei ihnen einzieht. Die gute Nachricht: Es gibt kein einzig richtiges Futter. Ernährung ist, genauso wie bei uns Menschen, unfassbar individuell. Informiere dich vorab in Ruhe & frage ggf. erfahrene Hundebesitzer nach Empfehlungen. Am Ende musst du dich dann für die Variante entscheiden, mit der du dich am wohlsten fühlst.
Die gängigsten Fütterungsvarianten im Überblick:
- Trockenfutter – praktisch, lange haltbar und einfach zu dosieren. Für unterwegs und im Alltag gut geeignet. Qualität und Zusammensetzung variieren stark – es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
- Nassfutter – schmackhafter und wasserreicher als Trockenfutter. Wird von fast allen Hunden gut angenommen, auch von wählerischen. Etwas aufwendiger in der Handhabung.
- BARF (biologisch artgerechtes rohes Futter) – rohe Fleisch-, Knochen- und Gemüsekomponenten. Individuell anpassbar, aber zeitaufwendiger und erfordert etwas Einarbeitung.
- selber für deinen Vierbeiner kochen – individuell angepasst auf deinen Vierbeiner. Bedarf in jedem Fall die Unterstützung eines Ernährungsberaters, der aufgrund einer Bedürfnisanalyse einen spezifischen Futterplan erstellt.
Was du bedenken solltest
Hinweis: Hunde aus Rumänien und Ungarn sind in der Regel nicht an hochwertiges oder abwechslungsreiches Futter gewöhnt. Sie erhalten vor Ort meist Essensreste oder einfaches Trockenfutter – häufig aus Spenden, also verschiedene Sorten gemischt und von einfacher Qualität. Wenn du deinem neuen Hund also hochwertiges Futter anbietest, kann es gut sein, dass er zunächst zögerlich oder gar nicht frisst. Das muss erstmal kein Zeichen von Ablehnung sein – er kennt es schlicht nicht und muss sich gegebenenfalls erstmal an das Futter gewöhnen. Dazu kommt Unsicherheit und Aufregung. Mach dir also erstmal keine Sorgen, wenn dein Hund kurz nach der Ankunft zögerlich oder gar nichts fressen sollte.
Tipps für die erste Zeit
- Nassfutter als Einstieg – Nassfutter wird von fast allen Hunden gut angenommen. Es eignet sich hervorragend, um die Hunde langsam an das neue Futter zu gewöhnen. Gerne verschmähen sie dann aber auch Trockenfutter, weil dieses mitunter nicht so schmackhaft riecht, wie Nassfutter.
- Nicht zu viel auf einmal wechseln – Durch die Futterumstellung können Hunde Verdauungsprobleme, weichen Kot oder Durchfall bekommen. Das ist normal, aber kein Grund zur Panik. Am besten bleibt man mehrere Wochen bei einer Futtersorte und wechselt langsam, falls nötig. Generell empfehlen wir bei 2-3 Proteinquellen zu bleiben (diese zählen auch für Leckerlis & Kauartikel!). Sollten mit der Zeit Unverträglichkeiten oder Allergien auftreten braucht es für eine Ausschlussdiät Proteinquellen, die der Hund nicht kennt. Sorten, wie Pferd oder Ziege sollten deshalb vorerst vermieden werden & nur bei bestehenden Unverträglichkeiten zum Einsatz kommen. Nutzt am Anfang lieber Fleischquellen, wie Rind, Pute oder Fisch.
- Leckerlis und Kauartikel – Auch hier gilt: nicht alles auf einmal ausprobieren. Teste nach und nach, was der Hund mag und gut verträgt. Zudem achtet bitte darauf auch mengenmäßig nicht zu viel zu geben. Wenn euer Hund steinharten, weißlich-grauen Kot oder Kot mit weißen Stücken ausscheidet, kann dies auf einen übermäßigen Calciumverzehr hindeuten (sog. Knochenkot). Ebenso sorgen zu viele, vor allem fetthaltige Leckerlis & Kauartikel zu erhöhten Organwerten (z.B. Leberwerte), was langfristig zu z.B. einer Pankreatitis führen könnte. Hier gilt also: alles in Maßen, nicht in Massen.
- Vom Straßenhund zum Feinschmecker – Ja, auch Tierschutzhunde kann man zu Futter-Divas erziehen. Wichtig ist also, dass man sich nicht von der vielleicht traurigen Vorgeschichte seines neuen Vierbeiners beeinflussen lässt. Hunde sind schlau: sie merken sich, wenn sie statt dem „langweiligen Trockenfutter“ plötzlich eine Scheibe Käse bekommen & lassen den Napf dann das nächste Mal wieder voll stehen. Zeigt euer Hund also keine gesundheitlichen Auffälligkeiten (z.B. Magengeräusche, Durchfall, Erbrechen), solltet ihr standhaft bei der Fütterung bleiben & euren Hund nicht mit Premiumleckerlis vollfüttern.
- Nahrungsergänzung – Diese unterstützen den Magen-Darm-Trakt deines Hund in der ersten Zeit. Verschiedene Prä- und Probiotika helfen deinem Vierbeiner sein Magen-Darm-System zu stärken. Besonders in der Anfangszeit kann dies helfen lästigen Durchfall oder Magenbeschwerden zu minimieren.
Welche Futtersorten eignen sich gut?
Wie zuvor bereits beschrieben, können und wollen wir an dieser Stelle explizit keine bestimmten Marken nennen. Futter, welches unsere eigenen Hunde oder Pflegehunde gut vertragen haben, eignen sich nicht automatisch für jeden Hund. Zudem kann eine Unverträglichkeit auch medizinische Ursachen haben, die definitiv abgeklärt werden sollten. Hier aber ein paar Tipps, wie ihr selbst gutes Futter erkennen könnt:
- Zutatenliste genau anschauen – Fleisch sollte an erster Stelle stehen (z. B. „Rindfleisch …%“ statt „tierische Nebenerzeugnisse“); achte auf klare Deklaration – je transparenter, desto besser; vermeide Füllstoffe wie Weizen, Reis, Mais oder Zucker
- Zusammensetzung & Nährstoffe prüfen – ein gutes Futter enthält Proteine (für Muskeln), gesunde Fette (z. B. Omega-3 für Fell & Haut), wichtige Vitamine & Mineralstoffe. Egal ob Trockenfutter, Nassfutter oder BARF: die Balance ist entscheidend. Zudem sollte die Liste der Inhaltsstoffe nicht zu lang sein. Wenn du alle Zutaten erst googlen musst, ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen.
- Berücksichtige die Bedürfnisse deines Hundes – jeder Hund ist anders. Wichtig sind Alter (Welpe, erwachsen, Senior), Größe & Aktivität, Allergien oder Unverträglichkeiten, Gesundheitszustand. Das Futter sollte für die jeweiligen Bedürfnisse deines Hundes geeignet sein.
- Vorsicht bei Marketing-Tricks – das Kleingedruckte ist entscheidend! Begriffe wie: „Premium“, „Natürlich“ & „Getreidefrei“ klingen gut, sagen aber oft wenig über die Qualität aus. Immer die Zutaten prüfen – nicht nur die vordere Verpackung!
- Abstand nehmen von „Discounter“-Marken – Sie bieten uns viele Schnäppchen, jedoch sollte man beim Hauptfutter keinesfalls sparen. Die meisten Futtersorten vom Discounter oder der Drogerie bestehen hauptsächlich aus Füllstoffen. Eine ausgewogene, artgerechte Fütterung ist deshalb nicht gegeben. Jeden Euro, den man am Futter spart, wird man voraussichtlich später doppelt & dreifach beim Tierarzt ausgeben, da eine Mangel- oder Fehlernährung schädlich für den Körper ist.
- Tierarzt ≠ Ernährungsberater – Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns damit unbeliebt machen: Tierärzte sind nicht automatisch Ernährungsberater. Ja, es gibt Futtersorten beim Tierarzt, die mitunter gut sind, wenn z.B. eine Nierenerkrankung vorliegt. Grundlegend ist es aber so, dass die meisten Tierärzte keine gezielte, allumfängliche Ausbildung im Bereich Ernährung haben – das würde die Ausbildungsdauer vermutlich noch einmal um einige Monate verlängern! Wenn ihr also Fragen in diesem Bereich habt, wendet euch lieber an ausgebildete Ernährungsberater für Tiere. Wichtig hierbei: die Beratung sollte sich nicht nur auf eine Futtermarke konzentrieren, sondern auf jegliche Ressourcen zurückgreifen. Vertriebler sind keine Ernährungsberater!
In jedem Fall solltest du das Futter nicht immer sofort wechseln. Wie bei uns Menschen auch kann ein zu schneller Wechsel, vor allem von minderwertigem zu hochwertigem Futter, erstmal zu Verdauungsproblemen führen. Der Körper braucht etwas Zeit, um sich an die neuen Nährstoffe zu gewöhnen. In der Regel braucht eine Futterumstellung ca. 6-8 Wochen.
Bei Verdauungsproblemen: Schonkost & Fasten
Wenn der Hund unter der Futterumstellung stärker leidet – also bei anhaltendem Durchfall oder deutlichem Unwohlsein – kann vorübergehendes Fasten oder Schonkost helfen.
Oft ist Fasten für einen Tag ein guter Weg, um etwas Ruhe in den Körper zu bringen. So haben Magen & Darm einmal Pause & können sich etwas von alleine beruhigen. Für Schonkost haben sich gekochtes Hühnchen oder die sogenannte Morosche Karottensuppe bewährt.
Wichtig: Oft wird gekochtes Hühnchen in Kombination mit Reis empfohlen. Reis „hilft“ bei Durchfall, weil dieser dem Körper Flüssigkeit entzieht. Reis ist dabei keine dauerhafte Lösung des ursprünglichen Problems. Oft taucht der Durchfall beim Weglassen von Reis wieder auf. Er kann kurzweilig dem Futter zugeführt werden, um akute Beschwerden zu lindern. Jedoch sollte man bedenken, dass dem Körper bei Durchfall eh schon Flüssigkeit fehlt und eine Austrocknung mit Reis mitunter verstärkt werden kann. Sollte der Durchfall aber dauerhaft anhalten, empfehlen wir einen Besuch beim Tierarzt.
Die Morosche Karottensuppe ist ein bewährtes Hausmittel gegen Durchfall – bei Mensch und Hund gleichermaßen. Durch das lange Kochen der Karotten entstehen spezielle Zuckermoleküle, die verhindern, dass sich schädliche Bakterien an der Darmwand festsetzen – sie werden stattdessen ausgeschieden. Zusätzlich gleicht das Salz den Elektrolytverlust aus und der hohe Wasseranteil hilft gegen Austrocknung. Aber auch hier gilt: bitte sucht bei anhaltenden Problemen einen Tierarzt auf.
Rezept: Morosche Karottensuppe (für ca. 1 Liter Suppe)
Zutaten:
- 500 g geschälte Karotten
- 1 Liter Wasser
- 1 TL Salz
- Abgekochtes Wasser zum Auffüllen
Zubereitung:
- Karotten reinigen, schälen und in kleine Stücke schneiden.
- Wasser zum Kochen bringen, Karotten hinzugeben und mindestens 1,5 Stunden auf mittlerer Stufe köcheln lassen.
- Suppe pürieren und mit abgekochtem Wasser auf 1 Liter auffüllen – die Konsistenz sollte in etwa der von Buttermilch entsprechen.
Einen Teelöffel Salz hinzugeben. Die Suppe kann dann in verschiedene Behälter abgefüllt & auch eingefroren werden.