Abenteuer Pflegestelle – ein Zuhause auf Zeit, das ein ganzes Leben verändert
Ein Pflegehund zieht ein – und plötzlich ist vieles neu. Für den Hund, aber auch für die Menschen, die ihm ihr Zuhause öffnen. Vielleicht kennt er noch keine Treppen, keine Haushaltsgeräusche und kein entspanntes Laufen an der Leine. Vielleicht ist er vom ersten Tag an fröhlich, neugierig und unkompliziert. Vielleicht braucht er aber auch erst einmal Abstand, Ruhe und sehr viel Geduld.
Eine Pflegestelle zu sein bedeutet, einen Hund auf seinem Weg in ein neues Leben zu begleiten. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die manchmal herausfordernd sein kann – aber auch eine der unmittelbarsten und schönsten Möglichkeiten, im Tierschutz zu helfen.
Was ist eigentlich eine Pflegestelle?
Eine Pflegestelle nimmt einen Hund meist direkt aus dem Ausland vorübergehend bei sich auf, bis ein passendes endgültiges Zuhause für ihn gefunden wurde.
Viele unserer Hunde leben zuvor in Rumänien oder Ungarn. Einige von ihnen warten dort bereits seit Wochen, Monaten oder sogar Jahren darauf, gesehen zu werden. Auf einer Pflegestelle in Deutschland erhalten sie die Möglichkeit, in einem geschützten Umfeld anzukommen und das Leben in einer Familie kennenzulernen.
Die Pflegestelle wird damit zum Sprungbrett in ein neues Leben. Sie schenkt dem Hund nicht nur ein vorübergehendes Zuhause, sondern erhöht auch seine Vermittlungschancen erheblich. Viele Interessenten möchten ihren zukünftigen Hund gerne persönlich kennenlernen. Das ist bei einem Hund, der noch im Ausland lebt, so gut wie unmöglich.
Auf einer Pflegestelle kann sich dagegen zeigen, wie der Hund im Alltag wirklich ist: Wie verhält er sich im Haus? Wie reagiert er auf andere Hunde, Kinder, Besucher oder den Straßenverkehr? Kann er bereits allein bleiben? Ist er verschmust, verspielt, ruhig oder besonders lernfreudig? Diese Beobachtungen helfen uns dabei, später ein Zuhause zu finden, das wirklich zu dem jeweiligen Hund passt.
Warum sind Pflegestellen so wichtig?
Unsere Partner im Ausland betreuen häufig sehr viele Hunde gleichzeitig. Auch, wenn sie die Tiere gut kennen und uns so viele Informationen wie möglich übermitteln, lässt sich das Verhalten eines Hundes im Tierheim oder im großen Hunderudel nicht immer mit seinem Verhalten in einem privaten Zuhause vergleichen.
Ein Hund, der im Rudel selbstbewusst und offen wirkt, kann alleine in einer Wohnung zunächst sehr unsicher sein. Ein eher zurückhaltender Hund kann dagegen innerhalb weniger Tage regelrecht aufblühen, da er nicht mehr einer von vielen ist sondern gezielte Aufmerksamkeit bekommt. Manche Hunde passen sich erstaunlich schnell an, andere benötigen deutlich mehr Zeit.
Auf einer Pflegestelle können die Hunde in ihrem eigenen Tempo lernen, was ein Leben in Deutschland bedeutet. Dazu können beispielsweise gehören:
- das Laufen an der Leine,
- Stubenreinheit,
- Autofahren,
- Haushaltsgeräusche,
- Begegnungen mit fremden Menschen und Hunden,
- das Alleinbleiben,
- erste Grundkommandos &
- Ruhe und Orientierung im Alltag.
Manche Hunde müssen körperlich zunächst aufgepäppelt werden. Andere bringen seelische Verletzungen oder Ängste mit, die vorher nicht vollständig erkennbar waren. Eine gute Pflegestelle gibt ihnen Sicherheit, Struktur und die nötige Zeit, um Vertrauen aufzubauen.
Gleichzeitig bedeutet jeder Hund, der auf eine Pflegestelle reisen darf, dass bei unseren Partnern im Ausland wieder ein Platz frei wird. Eine Pflegestelle hilft deshalb nicht nur dem Hund, den sie aufnimmt. Sie schafft indirekt auch die Möglichkeit, einem weiteren Hund Schutz und Versorgung zu bieten.
Muss ich Hundeprofi sein?
Nein. Erfahrung mit Hunden ist natürlich hilfreich, aber keine zwingende Voraussetzung. Auch Menschen, die bisher noch keinen eigenen Hund hatten, können eine gute Pflegestelle sein. Entscheidend ist nicht, ob bereits jede Hundesprache perfekt verstanden wird oder ob man schon jahrelange Trainingserfahrung besitzt.
Viel wichtiger sind Geduld, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, sich auf den Hund einzulassen. Eine gute Pflegestelle muss nicht bereits alles wissen. Sie sollte aber offen dafür sein, Fragen zu stellen, Hinweise anzunehmen und gemeinsam mit dem Verein nach Lösungen zu suchen. Als ersten Pflegehund bekommst du von unserem Verein generell auch einen sogenannten „easy case“. Das sind meistens Hunde, die sich im Ausland absolut unproblematisch zeigen & einfach nur von möglichen Adoptanten übersehen werden. So können wir gemeinsam abschätzen, welche Hunde am besten zu dir als Pflegestelle passen.
Bei Unsicherheiten oder Schwierigkeiten kann auch die Unterstützung einer geeigneten Hundeschule oder eines qualifizierten Hundetrainers sinnvoll sein. Hilfreich ist es daher, sich bereits vor der Aufnahme darüber zu informieren, welche Ansprechpartner es in der eigenen Umgebung gibt. Hier findest du einen Ratgeber, wie du eine gute Hundeschule erkennst.
Was sollte eine gute Pflegestelle mitbringen?
Nicht jede Voraussetzung lässt sich einfach mit einem Häkchen beantworten. Für uns zählt immer das Gesamtbild. Dennoch gibt es einige Eigenschaften und Rahmenbedingungen, die für eine gelungene Pflegestellenzeit besonders wichtig sind.
Geduld und Zeit
Ein Pflegehund benötigt genauso viel Zeit und Aufmerksamkeit wie ein eigener Hund – manchmal in der Anfangszeit sogar noch etwas mehr. Er muss sich von der langen Reise erholen, eine neue Umgebung kennenlernen und Vertrauen zu zunächst völlig fremden Menschen aufbauen. Einige Hunde sind bereits stubenrein und alltagserfahren. Andere wissen zunächst überhaupt nicht, was von ihnen erwartet wird. Gerade in den ersten Tagen sollte ausreichend Zeit vorhanden sein. Je nach Hund kann es sinnvoll oder notwendig sein, Urlaub zu nehmen oder den Alltag entsprechend anzupassen.
Kommunikationsbereitschaft
Eine offene, respektvolle und zuverlässige Kommunikation mit dem Verein ist unverzichtbar. Wir möchten wissen, wie sich der Hund entwickelt, welche Fortschritte er macht und wo vielleicht Schwierigkeiten auftreten. Bitte meldet euch nicht nur dann, wenn alles problemlos läuft, sondern auch frühzeitig, wenn ihr unsicher seid oder Unterstützung benötigt. Wir kennen unsere Schützlinge und einige der Baustellen, die typischerweise gerne mal auftreten gut und haben mittlerweile ein breites Portfolio an möglichen Tipps und Tricks für die Anfangszeit. Probleme lassen sich meist deutlich besser lösen, wenn offen darüber gesprochen wird.
Offenheit für Unterstützung
Manchmal läuft die Eingewöhnung anders als erwartet. Dann ist es wichtig, Tipps anzunehmen und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Ein Pflegehund ist kein fertiges Produkt, das sich vom ersten Tag an problemlos in jeden Alltag einfügt. Er ist ein Lebewesen mit einer eigenen Geschichte, eigenen Bedürfnissen und manchmal auch Verhaltensweisen, die zunächst ungewohnt oder anstrengend sein können. Eine gute Pflegestelle ist bereit, dazuzulernen und den Hund fair und geduldig zu begleiten.
Flexibilität
Ein Hund kann sich auf einer Pflegestelle anders zeigen, als er zuvor beschrieben wurde. Das ist weder ungewöhnlich noch automatisch ein Fehler in der Einschätzung. Im Tierheim, im Shelter oder in einem großen Rudel herrschen vollkommen andere Bedingungen, als in einem privaten Haushalt. Manche Verhaltensweisen werden erst sichtbar, wenn der Hund zur Ruhe kommt oder mit neuen Situationen konfrontiert wird. Pflegestellen sollten deshalb eine gewisse Flexibilität mitbringen und nicht davon ausgehen, dass jeder Tag exakt planbar ist.
Flexibilität ist für uns als Verein auch dann hilfreich, wenn es beispielsweise ein Notfellchen gibt, dass z.B. sein Zuhause schnell verlassen muss. Glücklicherweise kommt dies nicht so oft vor, aber wenn dann sind zeitlich flexible Pflegestellen Gold wert!
Auch bei der Auswahl des zukünftigen Pflegehundes ist Flexibilität äußerst hilfreich. Natürlich brauchen wir auch immer mal eine Pflegestelle für kleine, einfache Hunde. Aber besonders größere oder schüchterne Hunde brauchen diese extra Unterstützung durch deutsche Pflegestellen öfter. Umso flexibler du bist, desto besser.
Eine freundliche und offene Art
Pflegestellen sind wichtige Ansprechpartner für Interessenten. Sie lernen den Hund im Alltag kennen und können ehrlich berichten, welche Menschen und welche Lebensumstände gut zu ihm passen könnten. Eine freundliche, offene und respektvolle Kommunikation ist deshalb auch im Kontakt mit potenziellen Adoptanten wichtig.
Was muss eine Pflegestelle bereitstellen?
Grundsätzlich kommt die Pflegestelle für die laufenden Kosten von Kost und Logis auf. Dazu gehören insbesondere:
- Futter,
- Snacks,
- Schlafplatz,
- Näpfe,
- Spielzeug,
- Leinen,
- alltägliche Verbrauchsgegenstände &
- die Unterbringung und Betreuung im eigenen Haushalt.
Das Sicherheitsgeschirr wird der Pflegestelle vom Verein gestellt. Für alles andere haben wir euch hier noch einmal eine umfangreiche Liste zusammengestellt.
Einige Dinge sind in einem bestehenden Hundehaushalt möglicherweise bereits vorhanden. Welche Ausstattung der jeweilige Pflegehund konkret benötigt, sollte vor seiner Ankunft mit dem Verein abgestimmt werden.
Wer zur Miete wohnt, benötigt außerdem vorab eine schriftliche Erlaubnis des Vermieters zur Hundehaltung. Alle im Haushalt lebenden Personen müssen mit der Aufnahme des Hundes einverstanden sein.
Auch der eigene Alltag sollte realistisch betrachtet werden. Wie lange müsste der Hund täglich allein bleiben? Was geschieht bei Urlaub oder Krankheit? Kann der Hund bei Bedarf räumlich getrennt werden? Sind bereits vorhandene Tiere an das Zusammenleben mit einem weiteren Hund gewöhnt?
Dabei geht es nicht darum, in jeder Kategorie perfekte Voraussetzungen vorweisen zu können. Wichtig ist eine ehrliche Einschätzung dessen, was möglich ist und welcher Hund zur jeweiligen Pflegestelle passen könnte.
Wer übernimmt die Tierarztkosten?
Notwendige und vorher mit uns abgestimmte Tierarztkosten für den Pflegehund werden vom Verein übernommen.
Es kann vorkommen, dass Erkrankungen erst nach der Ankunft in Deutschland sichtbar oder erkannt werden. Die Pflegestelle übernimmt in diesem Fall die praktische Versorgung des Hundes, vereinbart nach Rücksprache Termine und begleitet den Hund bei Bedarf zum Tierarzt.
Wichtig ist, dass tierärztliche Behandlungen – ausgenommen akute Notfälle – immer vorab mit dem Verein abgesprochen werden. Nur so können wir die Behandlung koordinieren und die Kostenübernahme klären. Manche Tierärzte möchten eine sofortige Begleichung der Kosten. In diesem Fall erstatten wir die Tierarztkosten umgehend an die Pflegestelle zurück. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Rechnung auf den Verein ausgestellt ist.
Die tägliche Betreuung, Pflege und Fürsorge liegen während der Pflegestellenzeit jedoch vollständig bei der Pflegestelle. Ein kranker Pflegehund benötigt dieselbe zuverlässige Versorgung wie ein eigener Hund.
Wie läuft die Aufnahme eines Pflegehundes ab?
Am Anfang steht die Pflegestellenbewerbung. Darin fragen wir unter anderem nach der Wohnsituation, dem Alltag, eventuell vorhandenen Tieren, der bisherigen Hundeerfahrung und danach, welchen Hund man sich selbst zutraut. Diese Fragen sollen niemanden abschrecken oder prüfen, ob jemand „perfekt“ ist. Sie helfen uns dabei, einen Pflegehund auszuwählen, der möglichst gut zu den vorhandenen Lebensumständen passt.
Anschließend findet ein persönliches Telefonat statt, gefolgt von einer Vorkontrolle, welche ebenfalls zum geregelten Ablauf gehört. Dabei können offene Fragen besprochen und die Gegebenheiten vor Ort kennengelernt werden.
Passt alles zusammen, wird ein Pflegestellenvertrag geschlossen. Vor der Ankunft des Hundes besprechen wir die notwendige Ausstattung, die Abholung und die geltenden Sicherheitsregeln.
Beim Transport ist es erforderlich, den Hund an einem vereinbarten Übergabeort abzuholen. Deshalb sollte eine gewisse Fahrbereitschaft vorhanden sein. Ebenso ist uns wichtig, dass die Hunde in einer passenden Transportbox transportiert werden. Hierzu bekommst du alle Infos beim Telefonat und der Vorkontrolle.
Nach der Ankunft beginnt die eigentliche Pflegestellenzeit. Der Hund soll zunächst in Ruhe ankommen dürfen. Gleichzeitig bleibt die Pflegestelle im regelmäßigen Austausch mit dem Verein. Gemeinsam entscheidet ihr dann, wann das Profil des Hundes aktualisiert und erste Treffen mit potenziellen Adoptanten stattfinden können.
Warum sind Fotos, Videos und Berichte so wichtig?
Ein Pflegehund kann nur dann die passenden Menschen finden, wenn Interessenten ihn kennenlernen können. Dafür benötigen wir regelmäßig aktuelle Fotos, Videos und ehrliche Berichte aus seinem Alltag. Wie verhält er sich beim Spaziergang? Wie ist er mit anderen Hunden? Was macht ihm Freude? Wovor hat er noch Angst? Welche Fortschritte sind erkennbar?
Dabei geht es nicht darum, den Hund möglichst perfekt darzustellen. Eine ehrliche Beschreibung ist wesentlich wichtiger als ein ausschließlich positives Bild.
Auch kleine Alltagssituationen können viel über einen Hund verraten. Ein kurzes Video beim Spaziergang, beim Spielen, beim Entspannen im Körbchen oder bei einer Begegnung mit anderen Hunden hilft Interessenten dabei, ein realistisches Gefühl für ihn zu bekommen.
Ohne diese Rückmeldungen ist eine verantwortungsvolle Vermittlung nur schwer möglich. Die Pflegestelle ist deshalb nicht nur vorübergehender Gastgeber, sondern auch eine der wichtigsten Stimmen des Hundes.
Sollte es dir schwieriger Fallen gute Fotos von deinem Pflegehund zu machen, haben wir als Verein auch tolle Verbindungen zu Hobby- und Profifotografen, die den Hund in Szene setzen können.
Was bedeutet doppelte Sicherung?
Viele Tierschutzhunde reagieren nach der Ankunft besonders schreckhaft. Sie kennen ihre neue Umgebung nicht, haben noch keine Bindung zu ihren neuen Bezugspersonen und können in Paniksituationen versuchen zu fliehen.
Deshalb müssen unsere Vorgaben zur Sicherung des Hundes unbedingt eingehalten werden. Dazu gehört insbesondere die doppelte Sicherung mit einem passenden Sicherheitsgeschirr und einem Halsband.
Auch Türen, Fenster, Gartentore und das Ein- und Aussteigen aus dem Auto müssen gerade in der Anfangszeit besonders sorgfältig abgesichert werden.
Diese Regelungen sind keine unverbindlichen Empfehlungen, sondern vertraglich geregelte Vorgaben. Sie dienen dem Schutz des Hundes und sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Zusammenarbeit.
Wer einen Pflegehund für unseren Verein aufnimmt, sollte sich mit unseren Werten und Richtlinien identifizieren und bereit sein, diese konsequent mitzutragen.
Kann ich meinen Pflegehund selbst adoptieren?
Grundsätzlich kann bereits bei der Bewerbung angegeben werden, ob Interesse an einer Pflegestelle mit Option zur Übernahme besteht. Denn natürlich passiert es manchmal, dass Mensch und Hund während der gemeinsamen Zeit feststellen: Wir gehören zusammen.
Dennoch sollte eine Pflegestelle nicht mit der festen Erwartung beginnen, den Hund später automatisch behalten zu können. Die Aufnahme als Pflegestelle dient zunächst dazu, dem Hund ein Zuhause auf Zeit zu bieten und ihn auf seine Vermittlung vorzubereiten.
Besteht der Wunsch nach einer Adoption, sollte dieser frühzeitig und offen mit dem Verein besprochen werden. Auch in diesem Fall wird gemeinsam geprüft, ob die dauerhafte Vermittlung für alle Beteiligten – und vor allem für den Hund – die richtige Entscheidung ist.
Und was ist, wenn es Schwierigkeiten gibt?
Es kann passieren, dass ein Pflegehund anfangs nicht stubenrein ist, Dinge beschädigt, nicht allein bleiben kann, stark verunsichert ist oder in Überforderungssituationen knurrt oder schnappt.
Auch Schlafmangel, ständige Aufmerksamkeit und die Sorge um den Hund können für dich als Pflegestelle körperlich und emotional belastend sein. Deshalb ist es wichtig, sich bereits vor der Aufnahme ehrlich zu fragen:
Kann ich ruhig bleiben, wenn nicht alles sofort funktioniert? Bin ich bereit, mein Leben für eine gewisse Zeit an den Hund anzupassen? Kann ich mit Rückschritten umgehen? Hole ich mir Hilfe, bevor ich an meine Grenzen komme?
Niemand muss Schwierigkeiten allein lösen. Gleichzeitig braucht es aber die Bereitschaft, nicht beim ersten Problem aufzugeben, besonders dann, wenn diese vorab von uns in Ausklärungsgesprächen klar kommuniziert wurden.
Ein Pflegehund sollte grundsätzlich bis zu seiner Vermittlung auf seiner Pflegestelle bleiben können. Sollte dies aus einem schwerwiegenden Grund tatsächlich nicht möglich sein, muss gemeinsam mit dem Verein eine Lösung gefunden werden. Da nicht jederzeit sofort eine andere, passende Pflegestelle zur Verfügung steht, kann eine kurzfristige Abgabe nicht immer garantiert werden.
Wie lange bleibt ein Pflegehund?
Diese Frage lässt sich leider nicht genau beantworten.
Manche Pflegehunde finden bereits nach kurzer Zeit ein passendes Zuhause. Andere bleiben mehrere Monate oder länger. Das hängt unter anderem vom Alter, der Größe, dem Gesundheitszustand, dem Charakter und den individuellen Bedürfnissen des Hundes ab.
Eine Pflegestelle sollte deshalb nicht nur für einen fest eingeplanten, kurzen Zeitraum zur Verfügung stehen. Wer einen Hund aufnimmt, übernimmt grundsätzlich die Verantwortung bis zu seiner erfolgreichen Vermittlung.
Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen – aber auch der besondere Wert einer Pflegestelle: Der Hund darf bleiben, bis die richtigen Menschen gefunden wurden.
Natürlich haben wir aber auch Verständnis dafür, wenn man nach einem halben Jahr mal in den Urlaub fahren möchte. Unsere Hunde dürfen aus versicherungstechnischen Gründen Deutschland allerdings nicht verlassen. Generell gilt: besprecht diese Dinge rechtzeitig mit uns. Gemeinsam können wir eine Lösung finden.
Der Abschied gehört dazu
Der Tag der Vermittlung ist für viele Pflegestellen ein Wechselbad der Gefühle.
Man hat den Hund aufgenommen, als ihm noch vieles fremd war. Man hat vielleicht die erste entspannte Nacht erlebt, den ersten freiwilligen Körperkontakt, den ersten schönen Spaziergang oder den Moment, in dem aus vorsichtiger Unsicherheit echtes Vertrauen wurde.
Und dann zieht der Hund wieder aus. Natürlich kann das wehtun. Vielleicht fließen Tränen. Vielleicht fragt man sich kurz, ob man ihn nicht doch behalten sollte.
Aber genau dieser Abschied ist das Ziel der Pflegestellenarbeit. Der Pflegehund zieht nicht einfach fort. Er zieht in das Zuhause, auf das er vorbereitet wurde – und nur in eines, welches perfekt zu ihm passt. Nicht nur wir als Verein, sondern vor allem auch du als Pflegestelle sollst mit dem neuen Zuhause für deinen Pflegi ein gutes Bauchgefühl haben. Unsere Pflegestellen werden deshalb intensiv in den Vermittlungsprozess und die Entscheidungsfindung mit einbezogen. Generell ist unser Anspruch „Wir vermitteln die Hunde nur dorthin, wo wir auch unsere eigenen Hunde ohne Bedenken hingeben würden“
Du als Pflegestelle hast ihm beigebracht, dass Menschen Sicherheit bedeuten können. Hast herausgefunden, was er braucht, und dazu beigetragen, dass genau die richtigen Menschen ihn finden konnten.
Und mit seinem Auszug entsteht vielleicht irgendwann wieder ein Platz für den nächsten Hund.
Pflegestelle zu sein bedeutet nicht, perfekt zu sein
Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.
Es bedeutet, geduldig zu bleiben, wenn Fortschritte länger dauern als gehofft. Es bedeutet, Hilfe anzunehmen und offen zu kommunizieren. Es bedeutet, einen Hund nicht nur dann zu begleiten, wenn alles einfach ist, sondern auch an den Tagen, an denen man selbst müde oder verunsichert ist.
Vor allem bedeutet es aber, einem Hund eine Chance zu schenken, die er ohne eine Pflegestelle möglicherweise nie bekommen hätte.
Du musst dafür kein Hundeprofi sein. Du musst nicht jede Situation schon einmal erlebt haben und auch nicht auf jede Frage sofort eine Antwort kennen.
Du solltest bereit sein, zu lernen, Verantwortung zu tragen und einem Hund mit Geduld, Respekt und ganz viel Herz zu begegnen.
Vielleicht ist das Abenteuer Pflegestelle nicht immer bequem. Vielleicht bringt es den Alltag manchmal durcheinander. Vielleicht fordert es mehr, als man anfangs erwartet hat.
Aber für diesen einen Hund bist du nicht einfach nur eine Zwischenstation. Du bist der Mensch, der ihm zeigt, wie sich ein sicheres Zuhause anfühlt. Du bist sein Sprungbrett in ein neues Leben.
Und manchmal beginnt eine der schönsten Geschichten genau mit dem Satz:
„Wir nehmen ihn erst einmal nur auf Pflege.“