Reisebericht Rumänien – März 2026 03.03.-10.03.

Diese Reise war wieder eine Woche voller Emotionen, Hoffnungen, kleiner Lichtblicke, aber auch Momenten, die schwer auszuhalten sind. Jeder Tag dort erinnert uns daran, warum wir diese freiwillige Arbeit machen. Am 03.03.2026 machten wir, vier Frauen aus dem Team, uns gemeinsam auf den Weg nach Rumänien. Da wir unsere Unterkunft erst spät abends erreichten, begann der erste richtige Tag unserer Reise am darauffolgenden Morgen.

Tag 1: Shelter in Piatra Neamț

Fini darf nach zwei Jahren endlich raus aus der Tötung

Am ersten Tag ging es direkt ins Shelter nach Piatra Neamț. Ein Ort, der offiziell als Tierheim gilt, für die Hunde jedoch oft eine Endstation ist. Hunde, die aus umliegenden Städten eingefangen werden, haben dort nur 14 Tage Zeit um gesehen und gerettet zu werden. Anders ist es bei Hunden, die direkt aus Piatra stammen. Sie haben zunächst keine feste Frist und sitzen teilweise sehr lange unter schlechten Bedingungen in den Zwingern. Schon beim ersten Rundgang entdeckten wir viele neue Gesichter, aber auch alte Bekannte. Viele stammen aus den umliegenden Städten und stehen damit direkt auf der Tötungsliste. Wir versuchen vor Ort nicht zu sehr darüber nachzudenken, was diese Hunde fühlen müssen. Wie toll die allermeisten Hunde sind, wird oft unterschätzt, so konnten wir jeden einzelnen Zwinger ohne Gefahr betreten und wurden in den meisten freundlich begrüßt. Es ist ein trauriger Gedanke zu wissen, wie lange manche von ihnen schon dort sitzen. Tag für Tag warten sie auf diese eine Chance, auf ein Leben außerhalb der Zwinger, auf ein Zuhause. Gleichzeitig müssen wir immer wieder akzeptieren, dass wir nicht alle retten können. Manche Hunde sehen wir auf einer Reise noch und beim nächsten Besuch sind sie einfach nicht mehr da. Eine Hündin, die wir bereits von unserer letzten Reise kannten, haben wir deshalb direkt am ersten Tag reserviert. Sie wurde vorbereitet, damit wir sie selbst noch ins Foster bringen konnten.

Besonders traurig für unser Team war an diesem Tag ein junger Hund, den wir am Abend in einer Hütte entdeckten. Er war durchnässt, hatte eine Wunde, vermutlich durch einen Kampf, und zeigte kaum noch Lebenszeichen. Seine Atmung war nur noch flach und er war völlig unterkühlt. Wir versuchten sofort, ihn aufzupäppeln und riefen den zuständigen Tierarzt in die Station. Gemeinsam versuchten wir ihm zu helfen. Wir tauften ihn Noroc. „Noroc“ bedeutet auf Rumänisch Glück. Wir blieben bei ihm und hofften, dass er es schafft. Doch nach einer erfolglosen Reanimation mit nur sehr begrenzten Mitteln mussten wir ihn schließlich gehen lassen. Noroc ist nicht ungesehen gestorben. Er durfte mit einem Namen gehen und für einen kurzen Moment erfahren, dass er wichtig ist.

Tag 2: RingoLand Foster

Am nächsten Tag ging es ins Foster RingoLand, in dem unsere Hunde zunächst untergebracht und auf einen möglichen Transport nach Deutschland vorbereitet werden können. Die Hündinnen Mira und Frieda konnten wir direkt aus dem Shelter mitnehmen und dorthin bringen. Besonders Mira merkte man die Freude an, plötzlich weichen Boden statt hartem Beton unter den Pfoten zu spüren und ihre Beine strecken zu können. Es war auch schön zu sehen, wie viele unserer zuvor im Oktober geretteten Hunde dort aufblühen. Hunde, die plötzlich wieder mehr Lebensfreude zeigen und viel offener waren als noch im Shelter.

Miko hat seine Schüchternheit abgelegt

Dazu trägt auch das Trainingsprogramm in RingoLand bei: Die Hunde werden regelmäßig raugeholt, lernen Menschen, Katzen und Leinen kennen. Wir haben für die Vermittlungsseiten und für die Paten, die diese Hunde unterstützen und ihnen genau diese Chance ermöglichen, neue Fotos und Videos gemacht. Diese Patenschaften sind unglaublich wichtig, denn sie sichern die Grundversorgung sowie die Unterkunft der geretteten Hunde im Foster und ermöglichen das alles erst. Deshalb sind wir immer wieder auf der Suche nach neuen Paten. Sie entscheiden mit darüber, wie vielen Hunden wir überhaupt helfen können. Du möchtest uns mit einer Patenschaft für einen Schützling bei unserer Arbeit unterstützen? Dann schicke uns gerne eine Nachricht über das Kontaktformular!

Nach diesem zunächst wirklich schönem Tag sind wir am Abend noch einmal kurz ins Shelter gefahren, um Spenden vorbeizubringen. Diese hatten wir zuvor in Deutschland auf einen Transport mitgegeben und konnten sie nun abholen und direkt ins Shelter bringen. Dabei entdeckten wir einen sterbenden Welpen. Er lag ohne Decke und Schutz in einem Käfig mitten in der Kälte. Wir deckten ihn zu und bastelten einen kleinen Windschutz. Mehr konnten wir in diesem Moment leider nicht tun, da wir zu der späten Uhrzeit nur kurz das Shelter betreten durften und auch kein Personal mehr vor Ort war. Also blieb uns nichts weiter übrig als ihm wenigstens etwas Wärme zu geben und es ihm angenehmer und würdevoller zu machen. Ein Moment der Hilflosigkeit, der uns noch lange verfolgen wird.

Tag 3: Shelter in Bacău

Am dritten Tag fuhren wir in das Shelter nach Bacău. Seit 2021 unterstützen wir die medizinische Versorgung dort finanziell. Dank dieser Hilfe konnten wir den Gesundheitszustand vieler Tiere massiv verbessern. Unsere Zeit dort war dieses Mal leider sehr begrenzt, dennoch konnten wir einige Hunde genauer anschauen und ein paar von ihnen herausholen.

Lee hat das große Los gezogen und hat eine Familie gefunden

Jede dieser Entscheidungen fällt schwer, denn so viele Hunde brauchen Hilfe, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Die Zustände haben sich im Vergleich zu früher teilweise verbessert. Dennoch sind sie noch lange nicht gut und das Leben dort bleibt für viele Hunde hart. Besonders für diejenigen, die sensibel sind, krank werden oder mit der permanenten Geräuschkulisse überfordert sind. Erschwerend kommt die aktuelle politische Lage hinzu, denn aktuell laufen im Hintergrund Diskussionen zwischen der Gemeinde, der Shelterleitung und dem Tierarzt darüber, ob Hunde auf der angrenzenden offenen Wiese getötet werden sollen. Bisher ist das nicht passiert, doch eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Diese Ungewissheit zeigt uns einmal mehr, wie wichtig unsere Präsenz vor Ort ist, denn wirkliche strukturelle Veränderungen benötigen Druck auf die Politik und kein Wegsehen. Uns ist es daher wichtig, die Arbeit der rumänischen Tierschützerinnen und Tierschützer zu zeigen und zu unterstützen.

Tag 4: Besuch bei Anda, Mirela und Oana

Ein weiterer wichtiger Teil unserer Reise war deshalb der Besuch bei unseren Partnerinnen in Piatra. Anda und Mirela unterstützen wir bereits seit längerer Zeit. Wir haben ihre Schützlinge besucht, sie besser kennengelernt und neue Fotos und Videos gemacht, um sie für potenzielle Adoptanten sichtbarer zu machen. Dabei durften wir auch erneut das typisch rumänische Leben in einem Dorf sowie die außergewöhnliche Gastfreundschaft erleben.

Hanne und Marianne suchen noch ihr Glück

Danach besuchten wir Oana, die wir auf dieser Reise zum ersten Mal kennengelernt haben. Sie kümmert sich aktuell um rund 150 Hunde, die sie privat aufgenommen hat. Viele von ihnen wurden ihr von Einheimischen „in die Hand gedrückt“. Indem sie diese Hunde aufnimmt, bewahrt sie sie vor dem Einfangen und dem Einsperren in einer Tötungsstation. Wir konnten sie mit Hundefutter unterstützen und werden in Zukunft schauen, ob wir einige ihrer Hunde ebenfalls vorstellen können, damit sie bessere Chancen auf ein Zuhause bekommen.

Es ist eine gewaltige Aufgabe, die diese Frauen mit bewundernswertem Einsatz bewältigen. Es beeindruckt uns immer wieder, mit wie viel Herzblut sie sich für die Tiere engagieren, egal ob es um die Rettung verletzter Straßenhunde oder die Organisation wichtiger Kastrationskampagnen geht. Oft leisten sie diese Arbeit mit minimalen Ressourcen, aber unendlicher Hingabe. Genau diese Menschen und Projekte möchten wir gezielt unterstützen. Diese Begegnungen geben auch uns die nötige Kraft und zeigen: Gemeinsam können wir wirklich etwas bewegen.

Tag 5: Letzter Tag im Shelter

Am fünften Tag ging es wieder ins Shelter. Jeder Besuch dort bedeutet, sich erneut den vielen Schicksalen zu stellen. Wir haben weitere Hunde angeschaut, nach kranken oder verletzten Tieren gesehen, Wasser aufgefüllt und entkräftete Hunde zusätzlich gefüttert. Außerdem haben wir jeden einzelnen Hund dokumentiert und für andere internationale Vereine sichtbar gemacht. Auch an diesem Tag gab es einen besonders traurigen Moment: Zwei Welpen, die krank separiert worden waren, lagen in ihrem blutigen Durchfall. Einer von ihnen schrie vor Schmerzen, während der andere nur noch flach atmete. Parvovirose ist in rumänischen Sheltern aufgrund der hygienischen Bedingungen fast immer ein Todesurteil und verbreitet sich rasend schnell. Erst nach einem Austausch mit den Verantwortlichen vor Ort konnten wir eine Erlösung der beiden Welpen bewirken. Ihr Leid war so spürbar, dass es uns die Tränen in die Augen trieb.

Gegen Parvo hatte er keine Chance

Es ist schwer zu begreifen: Während gesunde, freundliche Hunde nach Ablauf einer 14-Tage-Frist getötet werden, lässt man schwerkranke Welpen oft ohne rettende medizinische Hilfe oder erlösende Sterbehilfe qualvoll verenden. Die vorhandenen Medikamente reichen unter diesen Bedingungen kaum für eine Heilung aus, sondern verlängern oft nur das Leiden. Dieser Gedanke hat uns noch lange beschäftigt und zeigt die dringende Notwendigkeit für strukturelle Veränderungen und eine humane tierärztliche Betreuung.

Diese Reisen sind emotional. Sie sind erschöpfend. Und manchmal sind sie kaum auszuhalten. Trotz der Härte sind wir dankbar für die Chance, vor Ort helfen zu können. Jeder Hund, der am Ende den Weg in ein liebevolles Zuhause findet, gibt uns die nötige Kraft für den nächsten Schritt. Ein riesiges Dankeschön gilt all den Menschen, die für die Hunde spenden, einen von ihnen in ihr Zuhause aufnehmen oder unsere Beiträge teilen, denn ohne eure Unterstützung wäre diese Arbeit nicht denkbar. Unser Ziel für dieses Jahr ist es, erneut eine große Kastrationskampagne zu realisieren. Wir sind überzeugt, dass dies zusammen mit der politischen Arbeit der einzige Weg ist, um das Leid langfristig an der Wurzel zu packen und nachhaltig zu reduzieren. Jede Kastration bedeutet weniger ungewollte Welpen, die einen qualvollen Tod sterben, weniger überfüllte Shelter, weniger sinnlose Tötungen. Möchtest du uns dabei unterstützen? Jede Spende für eine Kastration hilft uns, die Zukunft der Tiere in Rumänien sicherer zu machen. Den Link findest du in unserer Bio oder schreib uns direkt eine Nachricht. ❤️