Brandy, der zu uns fand.

 

Für uns war klar: Ein Hund ist auf Dauer zu wenig, ein zweiter sollte her. Ein Spitz wäre schön. Oder was aus dem Tierschutz? Wir fanden beides in einem und verliebten uns in das charmante Lächeln von Brandy.

 

Während wir einerseits bereits Kontakt zum Verein aufnahmen, quälten uns andererseits Zweifel. Man weiß nicht, was er erlebt hat. Woher er kommt. Er wird vermutlich Angst haben, keine Grenzen kennen. An unser neues Familienmitglied würden große Herausforderungen gestellt werden. Denn auf ihn wartete nicht nur ein zweiter Hund, fremde Umgebung und fremde Menschen. Nein, wir hatten auch ein 5 Monate altes Baby zu Hause. Und das war natürlich Grund genug, sich die Sache genau zu überlegen.

 

So vereinbarten wir mit dem Verein, dass Brandy zuerst auf eine Pflegestelle käme. Dort konnten wir ihn dann erst mal kennen lernen und schauen ob alles passt. Das alles verlief sehr schnell und unkompliziert. Nach wenigen Wochen konnten wir Brandy auf der Pflegestelle besuchen. Und er blieb keinen Tag länger dort. Wir nahmen ihn sofort mit. Ja, er war verunsichert und er hatte Angst. Alles war neu. Aber Brandy blieb ununterbrochen lieb. Wir merkten gleich, wie er sich am Menschen orientierte.

Die Frau von der Pflegestelle verabschiedete sich mit den Worten, dass er noch lernen müsse an der Leine zu gehen. Wir stiegen ins Auto und sofort begannen wieder Zweifel. Er kann gar nichts. Er ist völlig roh. Nach wenigen Tagen der Eingewöhnung erfolgte der erste Spaziergang. Völlig unproblematisch. Bis heute läuft er besser an der Leine, als unsere Hündin. Brandy ist nur lieb. Wenn das Baby mal in sein Fell flauscht, leckt er liebevoll das Händchen. Wenn die Tierärztin ihn festhält und piksen muss, wufft er, tut aber ansonsten nichts. Er liebt alle Hunde und Menschen. Man kann ihn besser mitnehmen, als unsere Hündin. Natürlich kann auch Brandy mal kläffen oder so. Aber was zählt ist, das er von Grund auf lieb ist.

 

Was erleben diese Hunde, bevor sie in ihr neues, gutes zu Hause kommen?

 

Leider können sie nicht in unserer Sprache reden. Dennoch teilen die Hunde einem sehr viel Erlebtes durch ihr Verhalten mit. Wie vermutlich viele, haben auch wir uns die Frage gestellt, ob es richtig ist einen Hund aus dem Ausland zu importieren und ob man diesem Tier wirklich hilft. Rettet man es wirklich aus einem schlechten zu Hause?

 

Und an manchen Tagen erzählt Brandy von seiner Geschichte, berichtet aus seinem Leben von früher: Er liebt Menschen. Sie bedeuten alles für ihn. Doch um ihre Aufmerksamkeit musste er stets kämpfen. Sie waren viele. Ein größeres Rudel. Doch ganz große Hunde gab es da nicht. Sie durften nicht ins Haus. Lebten vermutlich in einem Hinterhof oder im Garten und bekamen Küchenabfälle zu fressen. Wenn mal ein Mensch kam, liefen alle zu ihm und stellten sich hoch an den Menschen. Doch viel Liebe gab es von ihm nicht. Manchmal kamen Kinder und spielten mit den Hunden. Schlafen, mussten die Hunde draußen. 

 

Natürlich wissen wir nicht, ob das alles so stimmt. Doch so wie Brandy sich in bestimmten Situationen verhält, könnte er so gelebt haben. Ganz sicher ist aber: Es geht ihm jetzt besser. Es braucht Zeit zur Eingewöhnung. Er wird jeden Tag entspannter und fröhlicher. Er spielt, er schmust, er nimmt teil. Er findet sich in sein neues Leben als Familienhund jeden Tag mehr ein. Und am liebsten würden wir noch viel mehr von diesen tollen Hunden bei uns aufnehmen.