Endlich war es wieder soweit und unsere Reise nach Rumänien startete Ende September. Sonja und Tanja flogen zunächst alleine nach Rumänien und zwei weitere Volontäre (Marie und Lara) starteten mit mir (Caro) 1,5 Wochen später. Insgesamt waren wir also knapp drei Wochen vor Ort, um zu helfen.

Für mich war es die erste Reise nach Rumänien und ich war gespannt, wie ich die Situation vor Ort wahrnehme. Natürlich war ich schon durch Fotos, Videos und Erzählungen bestens vorbereitet, doch dort zu sein erschien mir immer nochmal eine andere Hausnummer.

Unsere Tage vergingen wie im Flug und trotz, dass wir fast immer bis drei Uhr nachts wach waren, hätten unsere Tage einfach noch mehr Stunden benötigt. Überwiegend haben wir wieder im Public Shelter Piatra Neamt gearbeitet, wir nutzten unsere Zeit jedoch auch für einen Besuch und die Behandlung der Hunde im Public Shelter Bacau und für ein Kastrationsevent.

Public Shelter Piatra Neamt: 


Piatra Neamt ist die Hauptstadt der Gemeine Neamt, hat ca. 85.000 Tausend Einwohner und liegt sehr weit östlich in Rumänien. Und damit fängt die ganze Leidensgeschichte bereits an, denn je östlicher man nach Rumänien fährt, desto schlimmer werden die Zustände. 

Das Shelter wirkt auf den ersten Blick relativ klein, dennoch gibt es dort über 65 Kennel und insgesamt mehr als 350 Hunde. Momentan (seit Oktober) gibt es dort wieder Tötungslisten, sodass dieses Shelter wieder zu einem der Killing Shelter Rumäniens gehört. 
Die Zustände der Kennels, aber auch der Hunde sind erschreckend. Ein beißender Geruch liegt in der Luft und die Hunde bellen, jaulen und quietschen. Der erste Rundgang machte mich sprachlos: So viele liebe, hübsche Hunde hinter Gittern zu sehen war eine ganz neue Erfahrung. Die Hinterlassenschaften der Hunde werden einmal täglich aus den Kennels geschaufelt, die Hunde werden einmal am Tag gefüttert und das Wasser wird nachgefüllt. Jedoch achten die Arbeiter nicht darauf, genügend Futterorte zu schaffen, sodass immer wieder schreckliche Hundekämpfe entstehen, wobei die alten, schwachen und schüchternen Hunde immer wieder verlieren. Es bricht einem das Herz, dass diese hilflosen Seelen tagtäglich einen Kampf ums Überleben führen müssen. 

Schnell bemerkt man, dass eine medizinische Versorgung der Hunde vor Ort nicht gewährleistet ist. So sahen wir Hunde mit Hautkrankheiten, aber auch Hunde, die Brüche oder offene Wunden hatten. Erst nach unserer Aufforderung kam ein Tierarzt, der die Hunde notdürftig behandelte.

Ein Großteil der Junghunde und Welpen befindet sich auf einer eingezäunten Grasfläche, wo sie einfach alle zusammen geschmissen werden. Man kann sich also vorstellen, wie schnell sich Krankheiten dort verbreiten. Dadurch, dass die Welpen noch kein richtiges Immunsystem haben, sind sie zu schwach um dort zu überleben. Viele der kleinen Mäuse sterben an Parvo oder Staupe. Wenn man sie nicht schnell genug herausholt und versorgt, haben sie keine Überlebenschance. Im Shelter gibt es lediglich einen kleinen Raum für OPs, keine Quarantänestation, keinen Aufwachraum oder ähnliches. Im Winter können die Hunde also nicht ausreichend behandelt oder kastriert werden, da es zu kalt draußen ist. Die Hunde können nach einer OP ihre Körpertemperatur nicht halten und erfrieren, so auch die Welpen, die kranken oder die alten Hunde.

Ein weiteres großes Problem ist, dass es kein System in dem Shelter gibt. Neue Hunde werden einfach von den Hundefängern in die Kennel zu anderen Hunden gepackt, sodass niemand mehr einen Überblick hat.

Wir machten uns also Pläne, wie man die großen Baustellen in den Griff bekommen könnte und verabredeten uns für unseren letzten Tag mit dem Manager des Shelters und dem dort angestellten Tierarzt. Gemeinsam entschieden wir, dass wir eine beheizte Krankenstation bauen möchten. Es kam die Idee, einen Container zu kaufen und dort die Käfige reinzupacken. Auch für das fehlende System fanden wir schnell eine Lösung: die Sheltermanagement-App. 

Mit neuer Hoffnung verließen wir am letzten Tag das Shelter. Momentan sind wir an der Umsetzung dieser Pläne und am konkreten Austausch mit dem Shelter und dem Tierarzt und hoffen, dass wir euch bald positive Neuigkeiten zur Krankenstation berichten können.

 

Public Shelter Bacau:

Das Shelter in Bacau ist ca. 40 Minuten von Piatra Neamt entfernt. Insgesamt ist es dort viel größer, aber auch besser aufgestellt. So gibt es dort eine Quarantänestation, einen Aufwachraum und einen OP-Raum. Jeder Hund, der neu im Shelter ankommt, wird kastriert, geimpft, gechipt, entwurmt, bekommt ein Antiparasitikum und wird erst dann zu den anderen Hunden in die Kennel gesetzt. Doch der Schein eines funktionierenden Systems trügt, denn so wie jedes Public Shelter in Rumänien, hat auch dieses seine eigene große Baustelle: die riesige Freiläuffläche. Dort leben in etwa 300-500 Hunde. Fast jeder Hund leidet unter Demodexmilben, einer Flohspeichelallergie oder anderen Hautproblemen. Da wir bereits im April vor Ort waren, hatten wir gemeinsam mit dem dort tätigen Tierarzt einen Plan aufgestellt. So kauften wir für 2000 Euro Bravecto und verfütterten dies an einen Großteil der Hunde. Jeder Hund, der eine Tablette erhielt, wurde von uns mit Farbe angesprüht. Abends rief uns der Tierarzt an. Er schien sich über unsere Unterstützung sehr zu freuen und neue Hoffnung und Motivation geschöpft zu haben. So entschied er, dass er die Hunde von der Freilauffläche nach und nach in die freien Kennel zu setzen. So können sie richtig und ausreichend behandelt werden und das Problem „Freilauffläche“ wird nach und nach gelöst.

 

 

Kastrationsevent:

Zusammen mit dem Tierarzt aus Bacau hatten wir für den Donnerstag ein Kastrationsevent in Costisa angesetzt. Costisa ist ein Dorf zwischen Piatra und Bacau, sodass es beiden Sheltern zu Gute kommt. Denn je weniger Welpen entstehen, desto weniger Hunde landen in den öffentlichen Sheltern. Insgesamt konnten wir 39 Hunde und Katzen kastrieren. Die Arbeit ist mühsam und wie am Fließband, aber das einzig effektive Mittel die Population der Hunde zu mindern, sodass langfristig weniger Hunde in den Höllen-Sheltern landen.

 

 

Fazit:

39 Hunde/Katzen wurden kastriert, 29 Hunde wurden von uns reserviert und konnten kurze Zeit später in ein Foster ziehen und es wurden konkrete Pläne für eine Krankenstation in Piatra Neamt entworfen. So viel in so kurzer Zeit zu erreichen, ist der absolute Wahnsinn! Auch, wenn es nur ein kleiner Erfolg gegen das Leid der Hunde in Rumänien ist, so ist es dennoch ein Anfang! Für die Zukunft planen wir monatliche Kastrationsevents mit dem Tierarzt aus Bacau in den Dörfer zwischen Piatra und Bacau und dass unser Traum einer Krankenstation endlich umgesetzt wird. Natürlich müssen wir uns hieran finanziell beteiligen, soweit wir diesbezüglich mehr wissen, werden wir euch berichten. Auch in Bacau möchten wir weiterhin helfen, jedoch wird das Shelter in Piatra immer unser Hauptaugenmerk bleiben. Da wir nur ein kleines Team sind, sind unsere Möglichkeiten begrenzt. Wir wünschen uns so sehr, dass sich auch andere Vereine für Bacau stark machen und man gemeinsam das Problem lösen kann. 

Bis bald, Rumänien! Wir werden schon bald wieder kommen.