Der Wunsch, irgendwann einen Hund zu haben, war eigentlich schon viele Jahre da. Und es war klar, es sollte ein Hund aus dem Tierschutz sein. Ich wollte einem Hund ein Zuhause geben, der vielleicht bisher nicht so viel Glück mit einem guten Platz hatte. Zuvor haben die Bedingungen, wie Job und Lebenssituation, aber einfach nicht gepasst. Bis jetzt. Da ich viel im Homeoffice arbeite und mein Job mir als Selbstständige viel Flexibilität ermöglicht, sind die Bedingungen nun eigentlich optimal. Auch aus meinem Umfeld
kamen schließlich mehrfach die Anregungen „Hol dir doch einen Hund“.
Da war das Thema also wieder.

Eines Sonntags auf der Couch „ertappte“ ich mich regelrecht dabei, dass ich mal online durch die umliegenden örtlichen Tierheime schaute, wer denn da so sitzt. Jedoch fand ich nur große Herdenschutzhunde oder echte „Problemhunde“. Also nichts für mich als Anfängerin mit einer 53qm Stadtwohnung.

So ging ich einfach mal bei Facebook auf die Suche nach Gruppen, die sich mit Tierschutzhunden und deren Vermittlung beschäftigten und trat bei. Ich machte einen Post, dass ich einen Hund aus dem Tierschutz adoptieren möchte – gerne auch meinetwegen aus dem Ausland – und gerne auch schon ein paar Jahre alt. Einem Welpen hätte ich nicht gerecht werden können. Die Älteren haben es ohnehin schwerer in der Vermittlung, aber ebenso ein gutes Zuhause verdient.

Ich wurde überschwemmt mit einer Flut von Kommentaren, Bildern und Nachrichten von gefühlt einer Million Hunden, die irgendwo sitzen und ein Zuhause suchen. Ich konnte gar nicht filtern, welcher Hund in Frage käme und hatte das Gefühl, viele versuchen, die Hunde Hauptsache schnell wegzuvermitteln, damit die nächsten aus dem Ausland nachrutschen konnten. Jedoch wollte ich einen Hund finden, mit dem es auch gut funktioniert und der für immer bei mir bleiben konnte. Als Hunde-Anfängerin mit wenigen Vorerfahrungen wollte ich nicht einen Hund aufnehmen, mit dem es am Ende absehbar nicht passt und der arme Kerl wird dann zur nächsten Hand durchgereicht.

Also kam ich auf den Gedanken, nach einem Hund aus dem Ausland zu suchen, der bereits in Deutschland auf einer Pflegestelle sitzt. Der lange Transport würde dann schon hinter ihm liegen und er konnte in Deutschland schon ein paar Tage ankommen. Zudem konnte die Pflegestelle ihn ja schon etwas kennenlernen und kann mehr über seine Eigenheiten, Bedürfnisse etc. sagen. Außerdem kann man die Hunde dort meist unkompliziert besuchen und sich einfach mal kennenlernen, um zu sehen, ob die Chemie stimmt.

Ich erstellte also einen neuen Post mit den veränderten Vorgaben. Und in der neuerlichen Flut von Nachrichten etc. schrieb mir Irina von Spitz & Pawtners. Und sie stellte eine ganz entscheidende Frage:

„Was suchst du denn überhaupt?“

Wir tauschten uns über Sprachnachrichten aus, was mir wichtig wäre und welche Bedingungen ich bieten könnte. Ich hatte mir im Vorfeld schon einige Gedanken gemacht und sinnvolle Überlegungen angestellt. Daraufhin schickte sie mir ein paar Vorschläge und ich verliebte mich direkt in Lina, eine Hündin aus Rumänien, die bereits seit ein paar Tagen in Hamburg auf einer Pflegestelle saß. Es klang alles sehr passend und ich füllte das Bewerbungsformular auf der Internetseite des Vereins für Lina aus. Kurz darauf kontaktierte mich Annika und wir vereinbarten einen Termin für ein erstes telefonisches Vorgespräch. Wir unterhielten uns dann etwa eine Stunde über verschiedene Fragen zu meiner beruflichen Situation und meiner Lebenssituation, was ich konkret suchte und was ich über Lina alles wissen wollte. Es klang alles weiterhin sehr passend. Es gab noch ein paar gesundheitliche Details, die beim Tierarzt noch in Abklärung waren, aber das war kein Problem. Ich wollte Lina gerne bald in Hamburg besuchen und kennenlernen. Und wenn es passt, hätte sie auch gleich einziehen können. Leider entschied sich die Pflegestelle dann jedoch ganz kurzfristig, Lina doch selbst zu behalten. Das war natürlich eine Enttäuschung. Aber mir war auch sofort klar, dass es vielleicht dazu dient, dass der perfekt zu mir passende Hund nun seinen Weg zu mir finden konnte. In meiner Welt gibt es keine Zufälle. Letztendlich geht es ja auch darum, den Tieren ein gutes Zuhause zu bieten. Und ob Lina das nun bei mir oder bei der Pflegestelle findet, ist unterm Strich ja beides richtig, solange es ihr gut geht.

Und so war es dann auch. Annika schlug mir schließlich Milo vor. Er war auch schon in den ersten Vorschlägen von Irina dabei, aber ich habe ihn wohl etwas übersehen, weil er als Schäferhund-Mix in der Masse einfach untergeht. Es gibt einfach zu viele davon 😉 Auf den Bildern sah er auch größer aus, als er tatsächlich ist und ich dachte mir, meine Wohnung in der Stadt ist einfach zu klein für einen Schäferhund. Aber warum nicht einfach offen bleiben und es sich anschauen. Wer weiß, was dabei vielleicht herauskommt. Also vertraute ich Annika und sie stellte den Kontakt zur Pflegestelle her. Kurz darauf meldete sich die Pflegestelle – Katharina aus Merzig im Saarland – bei mir. Der Kontakt war von Anfang an sehr offen und freundlich. Ich konnte alle noch so großen und kleinen Fragen stellen, Katharina hat mir auf alles sehr geduldig geantwortet und hatte auch viele Tipps, Erfahrungswerte und Anregungen für mich parat. Davon konnte ich als Anfängerin natürlich unglaublich profitieren. Sie schickte mir täglich Bilder, Videos und Nachrichten, was Milo so treibt und was sie über ihn herausfinden konnte und wir tauschten uns stetig aus. Sie nahm sich wirklich viel Zeit für mich und kümmerte sich toll um den Hund und auch um mich 😊

Wie sich rausstellte, ist Milo ein echter Goldschatz. Er ist ruhig, lieb und sehr ausgeglichen im Haus. Wenn er spazieren gehen darf, ist er einfach nur glücklich und er strahlt eine unglaublich positive Energie aus. Draußen lässt er dann auch mal ein bisschen Dampf ab. Er ist auch eine super intelligente Sportskanone und lernt wahnsinnig schnell.

Katharina berichtete mir, dass er wohl ein paar Unsicherheiten mit anderen Hunden hat. Er knurrt durchaus mal, wenn ihm jemand zu nahe kommt, ist aber nicht agressiv und geht auch nicht nach vorne. Er vertrug sich nicht mit den anderen Hunden in der Pflegestelle. Ich dachte mir, mit etwas Geduld und Zuwendung bekommt man das ja vermutlich in den Griff.

Nach ein paar Wochen des Kontakten fuhr ich schließlich zusammen mit meinem Freund nach Merzig und besuchte Milo. Wir sind eine Runde durch den Wald gegangen und ich durfte das erste Mal die Leine nehmen. Was für ein Gefühl. Milo hat sich von Anfang an sehr gut an der Leine führen lassen, man muss natürlich noch etwas mit ihm trainieren. Wir verbrachten dann noch etwa zwei Stunden bei Katharina und ihrer Familie, um ein entspanntes Kennenlernen mit Milo zu haben. Wir saßen auf dem Boden, schlossen Freundschaft über Leckerchen und Streicheleinheiten und gaben Milo Zeit, uns kennenzulernen. Er war natürlich unsicher gegenüber uns als Fremde, aber auch neugierig, wer wir sind. Er trat uns vorsichtig, aber offen und freundlich gegenüber. Das Treffen lief so harmonisch, dass Milo am Abend auch schon mit zu mir nach Essen kommen und in sein neues Zuhause
einziehen durfte. Jetzt ging es darum, ihn in Ruhe ankommen zu lassen,
unsere Rhythmen zu finden und sich kennenzulernen.

Ich war erstaunt, dass Milo trotz seiner sicher nicht immer positiven Erfahrungen mit Menschen und aus seiner Zeit auf der Straße sich doch recht schnell an mich binden konnte und auch sehr gut auf Kommandos und Korrekturen hörte. Er ist sehr kuschelig und anschmiegsam und hat eine total charmante Art, zu zeigen, was er gerne möchte. Am Anfang haben wir natürlich etwas die Regeln im neuen Zuhause „ausdiskutiert“ aber er hat sich schnell eingefügt und passt perfekt in mein Leben.

Ab diesem Zeitpunkt schickte ich dann regelmäßig Fotos, Videos und Nachrichten an Katharina und auch Annika, um zu zeigen, wie es Milo geht und um auch Katharina eine Freude zu machen. Sie hat sich schließlich ganz toll um ihn gekümmert, nachdem er in Deutschland ankam und hat ihn natürlich auch ganz lieb ins Herz geschlossen. Bis heute haben wir hin und wieder Kontakt und tauschen uns aus.

Mittlerweile hat sich Milo gut eingelebt und alle mögen ihn. Wo auch immer ich ihn hin mitnehme, die Menschen reagieren durchweg positiv auf ihn und er fügt sich prima ein. Auch die Begegnung mit anderen Hunden ist mittlerweile viel entspannter und er hat sogar schon eine Freundin gefunden – auch eine rumänische Hündin aus dem Tierschutz, die etwa gleich groß ist und mit der er auf der Hundewiese prima toben kann. Die beiden sind etwa ähnlich lange in Deutschland. Wir gehen viel wandern, was er sehr genießt. Mittlerweile üben wir ein bisschen den Freilauf und Milo hört schon sehr gut. Er hat sich wirklich super eingelebt und auch schon in Windeseile ein paar Tricks gelernt.

Man kann sagen, das ist eine echte Erfolgsstory. Der Tierschutzverein und alle Beteiligten haben wirklich einen tollen Job gemacht und mir einen Hund vermittelt, der wirklich perfekt zu mir passt. Meine Mama sagt immer:
„Der ist wie du!“ 😉