Tagebuch Wally Erfahrungsbericht

Wally ist ein einjähriger, weißer Mittelspitz aus Ungarn. Über seine Herkunft ist wenig bekannt. Er wurde auf der Straße aufgelesen. Sein Fell war zerzaust und schmutzig gewesen. Wally stank so sehr, dass er in der Nothilfe erst einmal gründlich gebadet werden musste und medizinisch versorgt, ehe man sich ein genaueres Bild von ihm machen konnte. Als ich von Wally erfuhr, war für mich schnell klar gewesen, dass ich ihn bei mir aufnehmen möchte und leitete alles in die Wege.

An einem warmen Sommerabend im August kam Wally in seinem neuen Zuhause an und war zunächst sehr eingeschüchtert. Er traute sich kaum eine Pfote nach vorne zu setzen. Zu fremd waren die Umgebung und all die ungewohnten Geräusche. Doch bereits eine halbe Stunde später war die anfängliche Schüchternheit überwunden und Wally begann seine Umgebung vorsichtig zu erkunden und seine neue Besitzerin zu mustern. Sein Urteil fiel glücklicherweise positiv aus und er ließ sich ausgiebig streicheln. Sein erstes Futter wurde gierig verschlungen und im Anschluss schlief Wally für ein paar Stunden in seinem Hundebettchen. Zumindest so lange bis ich mich mehr als einen Meter bewege. Er verfolgt jeden meiner Schritte und trottet sogar mitten in der Nacht hinter mir her.

 

Woche 1
Sieben Tage sind vergangen, seitdem Wally bei mir eingezogen ist und ich könnte nicht zufriedener sein. Er ist ein angenehmer Zeitgenosse, der den halben Tag verschläft, nicht bellt und gerne kuschelt. Wir wachsen immer inniger zusammen und Wally versucht ständig mich zum Lachen zu bringen. Tag für Tag hält er neue Überraschungen für mich bereit. Er lernt unheimlich schnell hinzu und beherrschte nach wenigen Versuchen schon Sitz. Die ersten Tage hatten wir Schwierigkeiten mit dem Treppen steigen. Ich musste Wally immer tragen, da er einfach erstarrte und sich keinen Zentimeter mehr bewegte. Eines Morgens beschloss Wally plötzlich von sich aus neben mir auf der Treppe laufen zu wollen. Seitdem läuft er sämtliche Treppen rauf und runter. Eine weitere Hürde, die wir im Laufe dern ersten Woche meistern konnten, war die Sauberkeitserziehung. Zunächst konnte Wally weder drinnen noch draußen seine Geschäfte verrichten und hielt über 24h ein. Wenn er es sich dann doch nicht mehr verkneifen konnte, zog er sich auf unserer Terrasse zurück. In die Wohnung ging es bisher nur ein einziges Mal. Da dies auf Dauer aber auch keine Lösung ist, meiden wir jetzt erstmal die Terrasse und wollen das Gassi gehen mit dem Sich-Erleichtern verknüpfen. An Tag 6 und 7 hat dies auch schon gut auf einer ruhigen, weiten Wiese geklappt. Wally lässt sich von Geräuschen schnell ablenken, weswegen ich die Vermutung habe, dass die Stadt für ihn einfach noch zu hektisch ist, um sich zu lösen. Ich bringe Wally zusätzlich auch ein Stichwort (Давай!) bei, damit er in fremder Umgebung weiß, wann er sich lösen darf. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen den Dreh raushaben werden und Wally in kürzeren Intervallen sein Geschäft verrichten kann. Anderen Hundebegegnungen steht Wally bisher neutral entgegen. Meistens ignoriert er sie, wenn sie beim Gassi gehen an uns vorbeilaufen. Anderen Spitzen dagegen ist er sehr aufgeschlossen und hat sogar schon eine Spielgefährtin gefunden, mit die er über die Wiese rasen kann. An Spielzeugen hat Wally (noch) kein Interesse und auch beim Futter mäkelt er bislang herum. Trockenfutter rührt er gar nicht an und nimmt die einzelnen Stücke sogar aus seinem Napf heraus, um mir zu signalisieren, dass nichts Essbares im Napf zu finden ist – dieser Schlingel! Obwohl Wally auf den ersten Blick wie ein kleiner Traumhund wirkt, habe ich oft das Gefühl, dass Wally sehr angepasst ist und mir noch nicht seine vollständige Persönlichkeit mit allen Facetten offenbart. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Wochen und wie sich der Kleine weiterhin einleben wird.

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Woche 2

Wally wird immer verkuschelter und fordert sich häufig Aufmerksamkeit ein. Manchmal ist er ein richtiger Dickkopf, wenn er beispielsweise beim Spazieren gehen einen anderen Weg gehen möchte, als ich es ursprünglich geplant hatte. Wir üben in geschützten Gebieten mittlerweile das Laufen ohne Leine. Seitdem klappt es auch, dass Wally sich draußen löst. Er kennt bereits einige Alltagskommandos und hört auf seinen Namen. Am liebsten hüpft er durch nasses hohes Gras oder tobt gemeinsam mit mir. Einen Jagdtrieb besitzt Wally nicht und auch das Spielen mit Plüschtieren, Bällen und Co. scheint er nie gelernt zu haben. Wally schläft nun tagsüber häufiger in seinem eigenen Körbchen, doch
pünktlich bevor das Licht ausgeht, findet er sich abends wieder in
meinem Bett ein, um die Nacht dort zu bleiben. 

 

Woche 3

Unsere Bindung zueinander wächst. Ich habe allmählich das Gefühl, dass Wally einen ähnlichen Charakter hat wie ich. Wally ist eher introvertiert, aber dennoch selbstbewusst. Er ist ein ruhiger und reservierter Hund, der sich lieber erst einmal alles von weiten anschaut, bevor er mutig auf fremde Hunde oder Menschen zugeht. Der kleine Kerl hat jedoch eine Schwäche: Stubenfliegen. Wann immer diese durch das Zimmer brummen, zuckt Wally zusammen und wird ganz hektisch. Meistens sieht das sehr lustig aus, wenn Wally kleine Bocksprünge macht um sie abzuschütteln oder versucht sie mit seiner Schnauze zu fangen. Leider zeigt Wally bisher auch nur wenig Interesse an anderen Hunden, außer ich wende mich einem anderen Hund zu, dann schiebt er sich gerne dazwischen und wetteifert mit dem anderen um meine Aufmerksamkeit. Am liebsten sind Wally aber unsere 1:1 Spaziergänge, wenn wir allein unterwegs sind und er an meiner Seite ohne Leine durch Wald und Wiesen streifen kann.

 


Woche 4

Für Wally und mich ging es diese Woche auf Reisen, denn wir fuhren zum ersten Mal gemeinsam in die Heimat. Die Zugfahrten in der Transportbox gefielen Wally nicht wirklich, doch glücklicherweise waren (fast) alle Schaffner sehr tierlieb und erlaubten, dass Wally auf meinem Schoß während der Fahrt sitzen durfte. Als er sah wieso alles so wackelte und wie die Landschaft an uns vorbeizog, beruhigte er sich schnell und machte es sich auf meinem Schoß bequem. In der Heimat angekommen lernte Wally meinen Freund und viele weitere Bekannte kennen. Er machte so viele positive Erfahrungen mit Menschen, dass er sogar Fremden gegenüber etwas übermutig wurde. Er ist ein richtiger kleiner Zirkusclown, wenn er Männchen macht oder Pfötchen gibt um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dennoch orientiert er sich sehr an meinen Umgang mit den jeweiligen Menschen und passt sein Verhalten dementsprechend an. Wally hat meinen Freund sofort ins Herz geschlossen und fordert sich nun auch von ihm regelmäßige Streicheleinheiten ein. In dieser Woche war Wally auch zum ersten Mal sieben Stunden von mir getrennt gewesen, allerdings passte mein Freund währenddessen auf ihn auf. Wally hüpfte vor Freude als ich wieder da war, verhielt sich aber auch während der Trennung sehr vorbildlich und verschlief die meiste Zeit. Da die warmen Temperaturen langsam schwinden, waren wir auch noch mal an einem See zum baden gewesen. Wasser ist Wally noch nicht ganz geheuer. Bis zum Bauch ja, aber wenn es tiefer geht, wartet er lieber am Ufer auf mich.

 


Woche 5
Wir sind wieder zurück in unserer WG und lassen alles ein wenig ruhiger angehen. Wally ist aktuell im Fellwechsel und verliert sein schönes weißes Fell Büschelweise. Zum Glück macht ihm das regelmäßige Bürsten nichts aus. Teilweise scheint er es richtig zu genießen. Besucher sind immer wieder überrascht, wie aufgeschlossen und lieb Wally ist und wie stark unsere Bindung zueinander in der kurzen Zeit gewachsen ist. Er ist noch immer ein sehr stiller Hund, der nicht bellt und maximal kurz knurrt, wenn ihm etwas verdächtig vorkommt. Sobald er aber merkt, dass ich ebenfalls Notiz von seinem „Wachhund-Gen“ und der Situation genommen habe, verstummt er wieder und lässt mich die Angelegenheiten regeln.
Das Alleine bleiben klappt sehr gut – vorausgesetzt wir sind bei uns Zuhause. Während eines Spaziergangs kann ich ihn nicht alleine lassen. Auch mein Freund als „emotionale Stütze“ ist hierfür kein guter Ersatz. Sobald ich kurz im Supermarkt verschwinde, beginnt Wally zu fiepen, verschmäht jegliche Leckerlies und weigert sich auch nur einen weiteren Meter ohne mich zu gehen. Als ehemaliger Straßenhund, der möglicherweise ausgesetzt oder irgendwo zurückgelassen wurde, hat Wally wohl auch alle Gründe erst einmal mit Panik zu reagieren. Doch ich werde ihm zeigen, dass er mir vertrauen kann und ich immer wieder zu ihm zurückkehren werde. Denn in den letzten Wochen hat nicht nur Wally eine Bindung zu mir aufgebaut, auch ich habe Wally tief in
mein Herz geschlossen und möchte mir ein Leben ohne ihn gar nicht
mehr vorstellen!

Woche 6-7

Wally und ich üben fleißig Bus und Bahn fahren und lernen immer mehr Menschen kennen. Mittlerweile kann Wally von sich behaupten, die Herzen meines gesamten Freundes- und Bekanntenkreises erobert zu haben. Die Tricks, die ich ihm beibringe, wendet er nun allzu gerne bei „unwissenden“ Bekannten an und genießt deutlich die Aufmerksamkeit und das Erstaunen, welches ihm dadurch zuteil wird.

Diese Woche haben wir uns außerdem an andere Tiere herangewagt und waren gemeinsam in meinem Heimatdorf und in einem Tierpark. Meerschweinchen, Pferde, Elefanten oder Streifenhörnchen – Wally begegnet allen Tieren mit Interesse und je nach Größe auch mit einer gewissen Ehrfurcht. Und ein weiteres kleines Wunder ist geschehen: Wally entwickelt einen Spieltrieb! Mit Freude jagt er derzeit Eicheln und Kastanien hinterher und immer öfter bringt er mir diese sogar wieder.